Kleine Presseschau zum Tod von Fritz J. Raddatz

Für die Wahrnehmung Tucholskys in der Bundesrepublik ist die Rolle von Fritz J. Raddatz kaum zu unterschätzen – im Guten wie im Schlechten.

Der Tod des langjährigen Vorsitzenden der Kurt-Tucholsky-Stiftung Fritz J. Raddatz, der wohl mit einigem Recht als eine der prägendsten Intellektuellen der »alten« Bundesrepublik bezeichnet werden darf, hat erwartungsgemäß ein breites Presseecho hervorgerufen.

Hier folgt ein zwangsläufig unvollständiger Überblick – Ergänzungen werden gerne unter tucholsky125@gmail.com entgegen genommen.

Weiterlesen

Zum Tod von Fritz J. Raddatz

Für die Wahrnehmung Tucholskys in der Bundesrepublik ist die Rolle von Fritz J. Raddatz kaum zu unterschätzen – im Guten wie im Schlechten.

Gregor Keuschnig hat gestern einen kurzen Beitrag zu Raddatz‘ Rolle in der intellektuellen Geschichte der BRD verfasst.

Im letzten Absatz heißt es dort:

Die Nachrufe werden triefen vor Bigotterie und Verlogenheit. Die Adjektive »umstritten« oder »streitbar« werden Hochkonjunktur haben; Euphemismen, die zumeist von Leuten benutzt werden, die entweder keine Ahnung haben oder Pharisäer sind. Man wird seine Tucholsky-Arbeit loben, die Erfindung der »rororo«-Reihe herausstellen, seine zahl­reichen Interviews preisen.

In den nächsten Tagen wird eine Presseschau hierzu folgen, in der sich zeigen wird, ob das Feuilleton sich tatsächlich so verhält.

Bis dahin sei zudem noch auf Lothar Strucks Beitrag bei Glanz & Elend zu Raddatz‘ Biographie und Tagebüchern verwiesen, der sehr detailliert dessen Leben und Werk beleuchtet.

Unterstützung gesucht

Die Schweizer Jazz-Künstlerin Sonja Indin tourt derzeit mit einem Tucholsky-Chanson-Programm, vorwiegend in der Schweiz.

Im Anschluss daran möchte sie gern eine CD produzieren, was auch im Jahr 2015 nicht zum Nulltarif zu haben ist, schon gar nicht, wenn man einigermaßen professionell arbeiten möchte und erst recht nicht mit Musik.

Noch 5 Tage gibt es die Möglichkeit, sie auf der Crowdfunding-Plattform 100days zu unterstützen.

Auf der Projektseite gibt es umfangreiche Möglichkeiten, sich einen Eindruck von ihrer Arbeit zu machen und bei Gefallen, dem Projekt zur Verwirklichung zu verhelfen.

Kleiner Jubel

»Ach, es könnten viel mehr große Autoren bei Knaur für 2, 85, mit bunten Bildern für den Zeitungsstand der Bahnhöfe geziert, erscheinen – es wäre gar kein Sakrileg, höchstens eines an der guten Unterhaltungsliteratur.«

Wer weiß, wer weiß, vielleicht hängt ja seitdem in den Münchner Verlagsräumen ein Bild von Tucholsky, mit Dartpfeilen jederzeit bereitliegend. 😉

Vielleicht aber auch nicht, vielleicht liegt es wirklich nur an einer gewissen Humorlosigkeit der zuständigen Stellen, dass man sich entschloss, den im Vergleich doch eher kleinen Verlag »Voland & Quist« wegen des Titels »Die schönsten Wanderwege der Wanderhure« zu verklagen. Man befand, hier würde unzulässig versucht, aus der Bekanntheit der »Wanderhure«-Reihe Kapital zu schlagen.

Die Sache schlug hohe Wellen (die dieser Tage virulente Frage, was denn Satire dürfe, kam auch hier zum Tragen) und endete nun mit einer Spende in Höhe von 12.500 € (das macht für jedes Jahr seit Tuchos Geburt genau 100 €) an das Kurt Tucholsky Museum in Rheinsberg, die am Freitag in Rheinsberg übergeben wird.

Wie es dazu kam, lässt der Verlag in seinem abschließenden Beitrag im Verlagsblog noch einmal Revue passieren.

»Kleiner Jubel in Fransen« heißt übrigens der eingangs zitierte Text Tuchos zu Unterhaltungsliteratur, der hier bei textlog nachzulesen ist.