Villon zertrümmert

Lyrikzeitung & Poetry News

Kurt Tucholsky über ›Die Balladen und lasterhaften Lieder des Herrn François Villon in deutscher Nachdichtung von Paul Zech‹

Nun, eine Nachdichtung ist das nicht. Es sind Gedichte in moderner Tonart, verfertigt nach sicherlich sorgfältiger Lektüre Villons. Zech hat keinen Stein auf dem andern gelassen, sondern er hat ein neues Hüttchen gebaut. Ist es schön?

Mittelschön. Die Ungeheuern Schwierigkeiten, mit denen er zu kämpfen hatte, in allen Ehren: aber hier gibt es nur zwei Wege. Entweder man macht das wie Ammer und übersetzt so wörtlich wie nur möglich – oder aber man ist dem Villon kongenial und dichtet neu. Zech hat neu gedichtet … Herausgekommen ist statt eines genialen Landstreichers aus dem katholischen Mittelalter ein versoffener Burschenschafter protestantischer Provenienz. Beispiel:

›Ballade et oraison pour l’ame du bon feu Cotart‹ – darin fleht Villon den Noah, den Loth und was sonst noch gut und teuer ist, an, den in Gott seligen Herrn Cotart…

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Birken und was sie so machen

Es ist eine bis heute ungeklärte Frage, der sich Tucholsky als Peter Panter 1929 in seinem Text »Mir fehlt ein Wort« widmete:

Ich werde ins Grab sinken, ohne zu wissen, was die Birkenblätter tun. Ich weiß es, aber ich kann es nicht sagen. Der Wind weht durch die jungen Birken; ihre Blätter zittern so schnell, hin und her, dass sie … was? Flirren? Nein, auf ihnen flirrt das Licht; man kann vielleicht allenfalls sagen: die Blätter flimmern … aber es ist nicht das. Es ist eine nervöse Bewegung, aber was ist es? Wie sagt man das? Was man nicht sagen kann, bleibt unerlöst – ›besprechen‹ hat eine tiefe Bedeutung. Steht bei Goethe ›Blattgeriesel‹? Ich mag nicht aufstehen, es ist so weit bis zu diesen Bänden, vier Meter und hundert Jahre. Was tun die Birkenblätter –?

Bereits seinerzeit gab es umfangreiche Antworten, allerdings waren diese nicht so recht befriedigend, wie im Folgebeitrag »Was tun die Birken?« nachzulesen ist, der mit den Worten schließt:

Mein Gott, was tun die Birkenblätter –? Brunhild, komm her und stell dich unter einen Birkenbaum. Ich seh dich an – schauer mal. Fühlst du den Unterschied? Was tun sie? Ich werde dahingehen und es nicht gesagt haben.

Erneut widmete sich Anfang des Jahres nun der Blog mannigfaltiges dieser Frage im Beitrag Nicht schon wieder!, auf den hiermit freundlich verwiesen sei.

Juden und Radfahrer – Ein angebliches Tucholsky-Zitat

Kurt Tucholsky gilt als einer der meistzitierten deutschen Autoren und viele seiner pointierten Aussagen werden auch heute noch gerne verwendet. Allerdings steckt nicht in allen Zitaten, auf denen »Kurt Tucholsky« steht, auch Kurt Tucholsky drin: Juden und Radfahrer – Ein angebliches Tucholsky-Zitat

Neuerscheinung: Rezensenten gesucht

plakatkaestner-6b4d394fIm Literaturhaus München wird zur Zeit (bis zum 14.02.2016) eine Ausstellung über Leben und Werk Erich Kästners unter dem Titel »Gestatten, Kästner!« gezeigt, die u.a. vom Deutschen Literaturarchiv Marbach kuratiert wurde, wo der nunmehr vollständige Nachlass des Autors aufbewahrt und bearbeitet wird.

Bemerkenswert ist, dass in dieser Ausstellung die brisanten Themen um die Bewertung von Erich Kästners sogenannter „innerer Emigration“ (1933-1945) nur mit Nebenbemerkungen gestreift werden (Kat. S.37), die nur ein eingeweihter Leser einordnen kann.

So wird die teilweise Verbindung Kästners zum Propagandaministerium der Nazis ebenso verklausuliert wie seine zeitweise Duldung, unter Pseudonym unbehelligt und einträglich zu publizieren.

Auch die berechtigte Diskussion um die uneheliche Vaterschaft im Fall von Erich Kästner, die in der damaligen Berliner und Münchener Ausstellung zum 100. Geburtstag des Autors dokumentiert wurde, findet im Literaturhaus nur eine Randbemerkung: »Aus den Spannungen im Elternhaus heraus mag auch später das Gerücht aufgekommen sein, dass Emil Kästner nicht Erichs leiblicher Vater gewesen sei.« (Katalog S.12) Kein Wort über den vermutlichen Vater, dem Hausarzt der Familie, dem jüdischen Sanitätsrat Dr. Emil Zimmermann. Ein Faktum, das für Kästners Biographie und sein Verhalten mehr als nur eine Randnotiz sein dürfte – ein jüdischer Vater barg doch ein erhebliches Gefahrenpotential für Leib und Leben im Deutschland der Jahre 33-45.

vogelcoverkplt150hIn seinem frisch erschienen Buch »Was darf die Satire? Kurt Tucholsky und Erich Kästner – ein kritischer Vergleich«  versucht Literaturprofessor Harald Vogel die ausgesparte Diskussion in seinen kritischen Vergleich einzubeziehen und die ausgeblendete Diskussion neu zu beleben und zu belegen. Als Diskursfolie eignet sich dabei der korrespondierende Vergleich der beiden Weltbühne-Autoren Kurt Tucholsky und Erich Kästner.

Ich bin in  der glücklichen Lage, fünf Exemplare dieses Buchs an interessierte Rezensenten abgeben zu können. Bei Interesse bitte kommentieren oder eine email an tucholsky125@gmail.com schreiben.
Weitere Informationen zum Buch finden sich auf der Verlagswebsite.

aspekte Museums-Lotto: Das Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum in Rheinsberg

Literaturmuseum Rheinsberg bei »aspekte«

Im aspekte-Museumslotto hat das »Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum« in Rheinsberg gewonnen – ein Team von aspekte hat sich ins Rheinsberger Schloss aufgemacht.

Entstanden ist ein kurzer Film (2:48 min), der überraschend wenig auf das Museum eingeht und auch an mehreren Stellen mit einigen Ungenauigkeiten glänzt (die aber nicht ins Gewicht fallen, aber wenn man es besser weiß, ist das immer so eine Sache).

Aber vielleicht macht er ja doch dem einen oder anderen Lust auf ein wirklich tolles Museum in einer wirklich wunderbaren Gegend:

aspekte Museums-Lotto: Das Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum in Rheinsberg

aspekte Museums-Lotto: Das Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum in Rheinsberg

Iphigenie nur mit Armbanduhr. Zu Tucholskys Zieh dich aus, Petronella (1920)

Für das Internet scheint in etwa dasselbe zu gelten wie laut Douglas Adams für den Weltraum, der ja bekannt groß ist, »Verdammt groß. Du kannst dir einfach nicht vorstellen, wie groß, gigantisch, wahnsinnig riesenhaft der Weltraum ist. Du glaubst vielleicht, die Straße runter bis zur Drogerie ist es eine ganz schöne Ecke, aber das ist einfach ein Klacks, verglichen mit dem Weltraum.«

Dies vorausgeschickt, ist es dann auch kein Wunder mehr, dass mir tatsächlich erst jetzt dieses wunderbare Bamberger Projekt begegnete, das jeden Montag eine neue Liedinterpretation veröffentlicht, die These vertretend, dass Lieder die wohl meistrezipierte Form von Lyrik ist.

Und kürzlich erschien ebendort ein Beitrag zu Tucholskys »Zieh dich aus, Petronella« aus dem Jahr 1920 – das ein wunderbares Beispiel für Tucholskys umfangreiche Arbeit im Bereich des Revuetheaters, einer Kunstform, die ihn seit seiner frühen Jugend begeisterte.

Deutsche Lieder. Bamberger Anthologie

Kurt Tucholsky

Zieh dich aus, Petronella

Spielst du Sudermann oder Maeterlinck oder spielst du Mieze Stuckert, dann denk: es ist ein eigen Ding, das Herz, das unten puckert! Es atmet klamm das Publikum, es gäb' was drum, es gäb' was drum, erhöre nur sein Flehen, das Publikum will sehen: Zieh dich aus, Petronella, zieh dich aus. Denn du darfst nicht ennuyant sein, und nur so wirst du bekannt sein; und es jubelt voller Lust das ganze Haus: „Zieh dich aus, Petronella, zieh dich aus!“ Nicht bei Lulu nur oder Wedekind ist der Platz für deine Reize; denn je nackter deine Schultern sind, je mehr sagt man: „Det kleid' se!“ Als Iphigenie trägst du nur 'ne Armbanduhr, 'ne Armbanduhr, ne Armbanduhr, ich seh' den weißen Nacken, wie schön sind deine Backen! Zieh dich aus, Petronella, zieh dich aus. Denn du darfst nicht ennuyant sein, so wirst du bekannt sein; und es…

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Kurt Tucholsky. In dunklen Zeiten ist der Konjunktiv ein Trost.

Und jetzt? Ach, „Dicker“, du wirst vermisst. Deine Stimme würde gebraucht. Wieder.

Diesem Stoßseufzer, der einen wunderbaren Beitrag beendet, schließt sich der Autor dieses Blogs vorbehaltlos an. Und jetzt bitte hier entlang zu »Sätze & Schätze«: Kurt Tucholsky. In dunklen Zeiten ist der Konjunktiv ein Trost.

Wir sind auch noch da

Von deutschnationaler Seite wird sehr gerne vorgebracht, dass all jene linksgrün versifften Gutmenschen, denen es in Deutschland nicht gefalle, ja gehen dürften.

Ganz großartig wird das, wenn man bedenkt, dass es ja gerade jene sind, die mit den Zuständen hier so unzufrieden sind (Linksgrün versiffte Politik, Lügenpresse, Chemtrails etc. etc.) und diese Zustände ändern wollen. Was aber bedeutet, dass ihnen Deutschland nicht gefällt, ihnen gemäß ihrer Logik also ein Verlassen des Landes ans Herz zu legen ist.

Aber gut, dies nur nebenbei, denn gemeint ist natürlich nie das Deutschland, wie es möglicherweise ist, sondern nur das Deutschland, das sie sich erträumen. Es erscheint mir aber in diesen Tagen, in denen täglich und deutschlandweit terroristische Anschläge verübt werden (man denke nur, was in diesem Land los wäre, stünde nur eine diese Taten unter dem Motto »Inschallah« und nicht »Ausländer raus!«) wichtig, über den Heimatbegriff nachzudenken und zu überlegen, wem man hier die Deutungshoheit überlassen will.

Kurt Tucholsky gab 1929 zusammen mit John Heartfield den Band »Deutschland, Deutschland über alles« (»jenen törichten Vers eines großmäuligen Gedichts«) heraus, eine bitterböse Abrechnung mit dem Zustand des Landes, in seiner Radikalität durchaus Ausdruck von Tucholskys zunehmender Verzweiflung.

In der Nachrede zu diesem Buch, die eine für mich immer noch gültige Definition von Heimat bildet, findet sich eine Passage, die ich heute all jenen entgegnen möchte, die glauben, im Namen Deutschlands zu sprechen:

Und nun will ich euch mal etwas sagen:

Es ist ja nicht wahr, dass jene, die sich ›national‹ nennen und nichts sind als bürgerlich-militaristisch, dieses Land und seine Sprache für sich gepachtet haben. Weder der Regierungsvertreter im Gehrock, noch der Oberstudienrat, noch die Herren und Damen des Stahlhelms allein sind Deutschland. Wir sind auch noch da.

Sie reißen den Mund auf und rufen: »Im Namen Deutschlands … !« Sie rufen: »Wir lieben dieses Land, nur wir lieben es.« Es ist nicht wahr.

Im Patriotismus lassen wir uns von jedem übertreffen – wir fühlen international. In der Heimatliebe von niemand – nicht einmal von jenen, auf deren Namen das Land grundbuchlich eingetragen ist. Unser ist es.

Und so widerwärtig mir jene sind, die – umgekehrte Nationalisten – nun überhaupt nichts mehr Gutes an diesem Lande lassen, kein gutes Haar, keinen Wald, keinen Himmel, keine Welle – so scharf verwahren wir uns dagegen, nun etwa ins Vaterländische umzufallen. Wir pfeifen auf die Fahnen – aber wir lieben dieses Land. Und so wie die nationalen Verbände über die Wege trommeln – mit dem gleichen Recht, mit genau demselben Recht nehmen wir, wir, die wir hier geboren sind, wir, die wir besser deutsch schreiben und sprechen als die Mehrzahl der nationalen Esel – mit genau demselben Recht nehmen wir Fluß und Wald in Beschlag, Strand und Haus, Lichtung und Wiese: es ist unser Land. Wir haben das Recht, Deutschland zu hassen – weil wir es lieben. Man hat uns zu berücksichtigen, wenn man von Deutschland spricht, uns: Kommunisten, junge Sozialisten, Pazifisten, Freiheitliebende aller Grade; man hat uns mitzudenken, wenn ›Deutschland‹ gedacht wird … wie einfach, so zu tun, als bestehe Deutschland nur aus den nationalen Verbänden.

Deutschland ist ein gespaltenes Land. Ein Teil von ihm sind wir.

»Wir sind auch noch da!«
Tragen wir diese Botschaft nach draußen, möge dies der Wahlspruch all jener sein, die sich dumpfem Hass entgegenstellen. Vor allem aber: Stellen wir uns dagegen. Das muss nicht bei großen Demos sein, mindestens genauso wichtig ist es, dem alltäglichen Rassismus entgegenzutreten. Vor allem aber: Überlassen wir dieses Land nicht den nationalistischen Krakeelern. Geschichte darf sich nicht wiederholen.

Joachim Sartorius: Niemals eine Atempause (2014).

Die überaus gelungene Anthologie von Joachim Sartorius enthält [selbstverständlich] auch Tucholsky.
Im Rundbrief der Kurt Tucholsky-Gesellschaft vom April 2015 erschien ebenfalls eine Rezension (dort S. 27).

Der deutsche Buchhandel

In den Publikationen der deutschen Buchhandelsbranche (hier mal als Beispiel der Buchreport) wird mehr oder weniger euphorisch dieser Auftritt Torsten Sträters bei Nuhr im Ersten herumgereicht:

Die Branche ist derart gebeutelt und seit vielen Jahren derart schlecht beleumundet, dass man sich über jeden Beistand freut – erst recht, wenn er derart warmherzig vorgetragen wird.

Übersehen wird dabei freilich, dass Sträter hier ja eher für den Erhalt eines nostalgisch aufgeladenen Museumsstücks als für eine zukunftsfähige Handelslandschaft plädiert. Es mag emotional aufbauend sein, einmal nette Worte statt Dinosaurier- und Pferdekutschenmetaphern zu hören – aber mehr als Mitleid ist damit nicht zu gewinnen. Und Mitleid bezahlt keine Mieten, von Gehältern mal ganz abgesehen.

Aber gut, inwieweit das humorvolle und warmherzige Aufbewahren längst überkommener Klischees nun eine Freude für den Buchhandel ist, möge dieser selbst klären. Dass auch vor 100 Jahren bereits Kunden mit dem Angebot des Buchhandels nicht stets und ständig einverstanden und zufrieden waren, zeigt der grundlegende Text von Kurt Tucholsky aus dem Jahr 1914, aus dem ich hier einige prägnante Stellen zitieren möchte:

Es klafft der Zwiespalt, Geld verdienen zu müssen und Kultur fördern zu wollen. Das Geldverdienen erschweren sie sich – das ist ihre Sache; die Kultur auf dem Büchermarkt wird durchaus nicht gefördert – das ist unsre Sache.

Was liegt denn hier vor? Doch wohl ein Geschäft, eine kapitalistische Institution, ein Gewerbe. Das Buch ist Ware. Gegen diesen Satz sträuben sie sich alle noch immer. Das Buch ist Ware, und wer sie verkauft, muß warenkundig sein, so wie der Rayonchef der Strumpf-Abteilung des ganz unpersönlichen Warenhauses viel von Strümpfen wissen muß.

Und, liebe Lesende, sagt selbst: Überholt und überwunden?

Natürlich nicht, denn hier handelt es sich um die Grundbedingungen der Branche selbst. Wenn sie überhaupt sinnvoll existieren möchte, muss sie diesen Genüge tragen. Doch schon hier muss erheblicher Zweifel angebracht werden, denn mir scheint dieses Problem hier weiterhin ungelöst:

Ich möchte mir eine Literaturgeschichte kaufen. Aber wehe mir Armem, der ich nun in die Buchhandlung gehe. Dort weiß man nur den Preis der zwei dicken Bücher, die man auf Lager hat und dreier andrer, die im Katalog verzeichnet stehen. Man weiß auch (aber das geht mich nichts an), wie alle fünf Werke rabattiert werden. Und man wird mir sogar freundlich den Namen des Verlegers und des Verlagsortes mitteilen. Aus. Kein Wort über den Wert, über die innere Art des Buches. »Dieses Werk wird sehr viel gekauft.« Allenfalls dies noch oder ein paar allgemeine Redensarten.

Sollen also die Sortimenter alle Bücher lesen, die sie verkaufen? Alle gewiß nicht; aber sie sollen die Waren- und Fachkenntnis haben, in der ihnen jetzt jeder einigermaßen gebildete Literat über ist.

Wer derart an Ausbildung und Bezahlung spart, wie es der deutsche Buchhandel branchenweit praktiziert, wird es naturgemäß schwer haben, gute  Leute zu finden – und zu halten. Den nicht zuletzt von den Filialisten in Gang gesetzten Teufelskreis noch zu stoppen, wird eine schmerzhafte Aufgabe. Eine schmerzhafte Aufgabe nicht zuletzt deshalb, weil sie nicht ohne schmerzhafte Aufgaben zu lösen sein wird.

Dies wird umso dringender, als bereits jetzt abzusehen ist, dass nicht nur »einigermaßen gebildete Literaten« Wissensvorsprung haben – und damit sind nicht einmal nur Menschen gemeint.

Der Tucholsky-Text versammelt meiner Meinung nach auch heute noch alles, was aus Kundensicht von einer guten Buchhandlung zu fordern ist und was beim besten Willen nicht von allen der glücklicherweise noch tausenden Buchhandlungen erfüllt wird. Dass es in den letzten 100 Jahren leidlich gut ging, ist ein Glücksfall – aber keine Basis für die Zukunft. Und so möchte ich die Leseempfehlung schließen mit dem Schlussplädoyer Tucholskys:

Gewiß: es gehört ein Unmaß von Arbeit, es gehören sehr fein ausgebildete Registraturen und Kartotheken und es gehört, vor allem, eine ganz genaue literarische Fachkenntnis dazu, zwischen Buch und Käufer zu vermitteln. Aber schließlich verlangen wir auch von jedem Schlosser, dass er sein Gewerbe kennt. Dieser langweilige und wenig erträgliche Zustand ist soweit gediehen, dass man, zum Beispiel, in der Buchabteilung eines großen berliner Warenhauses* besser und sachgemäßer bedient wird als in mancher Sortimentsbuchhandlung.

Das darf nicht so weitergehen. Wenn die Buchhändler wirklich sich berechtigt glauben, gegen jede Bevormundung eines Dritten Protest einzulegen, dann müssen sie selbst aus einem Winterschlaf erwachen, der sie schon lange gefangen hält, und dem hoffentlich bald ein neuer Bücherfrühling folgen wird.

*der Ort ist auch problemlos austauschbar – mit Seattle zum Beispiel…

Fehlt also nur noch der Link zum ganzen Text bei textlog: Kurt Tucholsky: Der deutsche Buchhändler.